Gym, Nonna, Schlaf: Die vielen Gesichter des „Maxxing“ | Weiden24

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„Maxxing“ kursiert seit einer Weile auf Plattformen wie TikTok und Instagram. (Symbolbild) (Bild: Sven Hoppe/dpa)
„Maxxing“ kursiert seit einer Weile auf Plattformen wie TikTok und Instagram. (Symbolbild) (Bild: Sven Hoppe/dpa)
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„Maxxing“ kursiert seit einer Weile auf Plattformen wie TikTok und Instagram. (Symbolbild) (Bild: Sven Hoppe/dpa)

Gym, Nonna, Schlaf: Die vielen Gesichter des „Maxxing“

Sleepmaxxing, Tanmaxxing - bitte was? Wer aus einem Lebensbereich das Maximum herausholen will, spricht auf TikTok und Co. gerne mal von „Maxxing“. Wie dabei Selbstoptimierung und Ironie verschwimmen.

Die einen setzen auf „Nonnamaxxing“ und wollen so entschleunigt leben wie eine italienische Oma, die anderen wollen das Beste aus ihrem Schlaf herausholen und betreiben „Sleepmaxxing“. Wer beschreiben will, dass er aus einem Hobby oder einem Lebensbereich das Maximum herausholen will, benutzt in den sozialen Medien gerne mal die Endung „Maxxing“. 

Man kann das Suffix im Prinzip an alle möglichen Dinge dranhängen. Da wird es manchmal schwierig, einen Überblick zu behalten. Deshalb hier einige Fragen und Antworten zu dem Phänomen. 

Was bedeutet „Maxxing“ überhaupt?

Die Endung „Maxxing“ kommt aus dem Englischen von „maximize“, auf Deutsch „maximieren“. Es bedeutet, so viel aus einem Lebensbereich oder einer Eigenschaft wie möglich herauszuholen, es also bis zum Äußersten zu optimieren - eben zu maximieren. Der Versuch, den bestmöglichen Schlaf zu bekommen, wird etwa zum „Sleepmaxxing“.

Ganz neu ist das Suffix zwar nicht - das britische Magazin „Dazed“ schrieb schon 2024: „'Maxxen' oder nicht 'Maxxen' - das ist die Frage für alle, die chronisch online sind.“ Doch mittlerweile hat sich das Phänomen verselbständigt. Etwa beim „Nonnamaxxing“, also dem Wunsch, dem Lifestyle einer italienischen Großmutter („Nonna“ auf Italienisch) nachzueifern. Nutzerinnen und Nutzer verbinden damit eine romantische Vorstellung des Oma-Lebens mit vermeintlicher Gelassenheit.

Wie ist das „Maxxing“ bekanntgeworden? 

Besonders bekannt geworden ist die Endung durch das „Looksmaxxing“ aus der sogenannten Incel-Szene. Gemeint ist damit der Wunsch, das eigene Aussehen zu perfektionieren und dabei einem bestimmten Männlichkeitsideal zu entsprechen. Teils mit gefährlichen Methoden, wie sich mit einem Hammer auf seine Gesichtsknochen zu hauen, mit dem fragwürdigen Versprechen, sie würden danach kantiger zusammenwachsen und dem Gesicht einen markanteren und männlicheren Look verleihen.

„Incel“ ist ein Mix aus „involuntary“ und „celibate“. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung meint „Incel“ Männer, die unfreiwillig ohne (sexuelle) Beziehungen zu Frauen leben und dafür dem Feminismus oder der freien Gesellschaft die Schuld geben. Einige sehen deshalb den Ursprung des „Maxxing“-Phänomens kritisch, da er aus einer extremen Bubble den Weg herausgefunden hat. Mittlerweile hat es aber ein (ironisches) Eigenleben entwickelt - losgelöst von der Incel-Szene.

Wofür verwendet man „Maxxing“ im Alltag?

Wenn „Maxxing“ ernsthaft zur Selbstoptimierung genutzt wird, ist es ein gutes Beispiel dafür, wie so mancher Optimierungswahn auf TikTok oder Instagram gerne zur Schau gestellt und zum Teil bis auf die Spitze getrieben wird. Beim „Sleepmaxxing“ zum Beispiel kursieren in den sozialen Medien verschiedene, teils rigorose Strategien, wie man vermeintlich erholsamer schlafen kann, darunter das sogenannte Mouth Taping.

Dabei sollen ein Pflaster, Klebeband oder spezielle Tapes den Mund verschließen und so dafür sorgen, dass Menschen bei der Nachtruhe stattdessen durch die Nase atmen. Manche Influencer und Promis - etwa Fußballprofi Erling Haaland - haben es schon vor Jahren empfohlen. Kanadische Forscher mahnten in einer Studie aus dem Jahr 2025 allerdings zur Vorsicht.

Viele andere nutzen die Endung mittlerweile gerne einfach ironisch - zum Beispiel das „Booksmaxxing“ als Ausdruck dafür, viele Bücher zu lesen. Die „Süddeutsche Zeitung“ titelte im Juni in einem Artikel in Anspielung auf die Endung: „Wer das liest, betreibt „Artikelmaxxing”“. Sie sieht den Vorteil, dass man „Maxxing“ an alles dranhängen kann. („Die Treppe ins nächste Stockwerk nehmen? Floormaxxing. Die Notvorräte aufstocken? Prepmaxxing“). 

Doch: Wie bei vielen Social-Media-Phänomenen lädt auch das „Maxxing“ dazu ein, politisch instrumentalisiert zu werden. Der Account des Weißen Hauses postete im Juli in Bezug auf die rigide US-Abschiebepolitik ein Video bei TikTok mit dem Titel: „Deportationmaxxing“.

Hat „Maxxing“ schon Einzug in die Jugendsprache gefunden?

Junge virale Internet-Memes sind oft automatisch Teil der Jugendsprache, zum Beispiel der Trend „six seven“ (auch „67“) aus dem vergangenen Jahr. Der Pons Langenscheidt-Verlag, der das Jugendwort des Jahres kürt, hat das „Maxxing“ auf dem Radar. „Dieser Trend existiert und ist in den sozialen Medien deutlich wahrnehmbar. Er findet natürlich auch Einzug in den täglichen Sprachgebrauch der Jugendlichen offline“, teilt der Verlag auf Anfrage mit. 

Allerdings: Bei den Einreichungen zum Jugendwort 2026 habe der Begriff in den verschiedenen Varianten keine Rolle gespielt. „Wahrscheinlich genau deshalb, weil es ihn in so vielen Ausprägungen gibt und die Varianz damit einfach zu groß ist“. Es sei ein spielerisches Sprachmuster aus der Social-Media-Welt, das in den Alltag übertragen werde, erklärt der Verlag. 

„Grundsätzlich ist es natürlich in Ordnung, ein Ziel zu haben und dies konsequent zu verfolgen“. Einige „Maxxer“ gingen allerdings sehr radikal vor - etwa bei manchen Formen des „Looksmaxxing“ -, was auf Kosten der Gesundheit gehen könne. „Hieran erkennt man, wie sehr es in den sozialen Medien auch darum geht, sich stets mit anderen zu vergleichen“.

Bei der Kommunikation erfülle der Trend gleich mehrere Funktionen gleichzeitig: „Wer den Begriff versteht und nutzt, zeigt seine digitale Sprachkompetenz. Gleichzeitig zeigt er Humor, indem er aus banalen Dingen des Alltags ein Projekt macht - und sich letztlich selbst nicht ganz so ernst nimmt.“

© dpa-infocom, dpa:261005-930-789962/1

 
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