Klima und Menschenrechte: Sollen wir die Fußball-WM boykottieren? | Weiden24

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vor 7 Stunden
US-Metropolen wie New York stehen als Austragungsorte der Fußball-WM 2026 im internationalen Rampenlicht. (Symbolbild: Seth Wenig/AP/dpa)
US-Metropolen wie New York stehen als Austragungsorte der Fußball-WM 2026 im internationalen Rampenlicht. (Symbolbild: Seth Wenig/AP/dpa)
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US-Metropolen wie New York stehen als Austragungsorte der Fußball-WM 2026 im internationalen Rampenlicht. (Symbolbild: Seth Wenig/AP/dpa)

Klima und Menschenrechte: Sollen wir die Fußball-WM boykottieren?

Bald beginnt die Fußball-WM. Kanada, USA, Mexiko – wieder einmal sind die Spielorte umstritten. Politik, Klima, Menschenrechte. Was spricht für und was gegen die WM 2026?

Bis zu 17 Millionen Deutsche schauten vor 4 Jahren die WM-Deutschlandspiele. Aber ist es cool, die WM zu verfolgen? Oder eher nicht?

Pro

Fußball verbindet:

Zusammen auf der Couch oder gemeinsam in der Kneipe sitzen und das eigene Team anfeuern. Die WM gibt eine gute Möglichkeit, sich mal wieder zu verabreden und zusammen zu jubeln (oder zu weinen).

Fußball setzt ein Statement gegen Rassismus:

Die WM gibt Raum für politische Statements: Die FIFA nutzt die globale Plattform des Turniers für soziale Anliegen und startet mit drei Kampagnen. Eine davon lautet: „Vereint für Frieden”. Das soll auf den Trikotärmeln der 48 Mannschaften stehen.

Die WM motiviert zu Bewegung

Nur auf dem Sofa sitzen und Fernsehschauen? „Be Active” ist eine weitere Kampagne der FIFA: Fans werden aufgerufen, bei „Be Active”-Trainings mitzumachen.

Contra

Abschiebungen in den USA, Militarisierung in Mexiko. „Die Fußball-WM 2026 in Nordamerika findet inmitten einer akuten Menschenrechtskrise statt”, das schreibt Amnesty International. Auch Human Rights Watch sagt, das Turnier könne eine „potenzielle Menschenrechtskatastrophe” werden.

Menschenrechte:

In den USA finden 75 Prozent der Spiele statt. Der amerikanische Präsident steht für brutale Abschiebungen, den Anspruch auf die Kontrolle über Grönland, Verletzung der Demokratie und Meinungsfreiheit, für Angriffe auf die Demokratie.

  • Allein im Jahr 2025 wurden eine halbe Million Menschen aus den USA abgeschoben. 43 Menschen starben zwischen Januar 2025 und März 2026 in der Haft der US-Einwanderungsbehörde ICE.
  • US-Einreiseverbote blockieren Fans aus Senegal, Iran, Haiti und der Elfenbeinküste.
  • Nur 20 bis 50 Meilen vom FIFA-Hauptquartier in Miami entfernt dokumentierte Amnesty International in den Inhaftierungszentren Krome und Everglades unmenschliche Bedingungen wie Folter.
  • Student*innen und Aktivist*innen, wie der palästinensische Student Mahmoud Khalil oder Leqaa Kordia, wurden wegen friedlicher Proteste inhaftiert oder von Abschiebung bedroht.

Trotzdem soll hier Fußball gespielt werden, ein Sport, der für Zusammenhalt stehen soll. Der Slogan „Vereint für Frieden” wirkt scheinheilig. Mit der Fußball-WM bekommt Donald Trump die mediale Aufmerksamkeit und damit die Chance, sich positiv als Held zu präsentieren.

In Mexiko sieht das ähnlich aus:

  • Über 133.000 Menschen gelten in Mexiko als gewaltsam verschwunden.
  • Mexiko mobilisiert 20.000 Soldat*innen für die WM. Laut Amnesty International waren die Streitkräfte in der Vergangenheit in außergerichtliche Hinrichtungen und weitere Menschenrechtsverletzungen verwickelt.
  • Im mexikanischen Bundesstaat Jalisco reagiert ein Drogenkartell mit Gewalt, nachdem sein Anführer vom Militär getötet wurde. Hier sind vier Spiele vorgesehen. Die Gewalt wirft Fragen rund um die Sicherheit bei der WM auf.
  • Um die Austragungsorte wurde und wird massiv gebaut, gezielt für Gäste aus dem Ausland. Gleichzeitig fehlt Geld für bezahlbaren Wohnraum für Einheimische. Die Mieten steigen sogar rund um die WM.

In Kanada gibt es folgende Bedenken:

  • Wegen sogenannten „Street Sweeps” haben Obdachlose Angst um ihre Existenz. In Toronto wurde eine Winterunterkunft für Obdachlose einen Monat zu früh geschlossen, weil die FIFA die Räumlichkeiten gebucht hatte.

Klima:

  • Neun Millionen Tonnen CO2 sollen laut Berechnungen der Organisation Scientists for Global Responsibility (SGR) freigesetzt werden. Gründe sind der Flugverkehr und das Wachstum der Spiele auf 48 Teams.
  • Das Wasser in Mexiko-Stadt ist jetzt schon knapp. Viele haben auch Angst, dass sich das weiter verschärft.
  • Stadien wie das AT&T Stadium in Dallas gehören schon heute zu den energieintensivsten Sportanlagen der Welt, die in der Hitze aufwendig heruntergekühlt werden müssen. Bei anderen Stadien wiederum könnte sich durch die Besucherströme die Waldbrandgefahr erhöhen – etwa in Kalifornien.

Ein weiterer Minuspunkt: Die Tickets kosten teilweise mehrere tausend Euro und sind für die meisten Menschen unbezahlbar. Das heißt, der Fußball, der eigentlich alle verbinden soll, wird zum Event für Wohlhabende und Touristen.

Kann die Nationalmannschaft die WM boykottieren? Eigentlich ja, aber alle qualifizierten Teams erhalten von der FIFA rund 12,5 Millionen US-Dollar. Bei einem Boykott muss das zurückgezahlt werden. Laut der Sportschau erwartet die FIFA Rekordeinnahmen von neun Milliarden US-Dollar. Daher ist die FIFA auf das Fernbleiben von Teams vorbereitet. Rund 550.000 Euro kostet eine kurzfristige Absage. Und wohl noch schlimmer fürs Team: die FIFA kann die Mannschaft von zukünftigen Wettbewerben ausschließen.

 
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