Schlampig, ungebildet, unfreundlich: Künstliche Intelligenz diskriminiert Dialektsprecher | Weiden24

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vor 2 Stunden
A aktuelle Studii vo de Universitäten Mainz und Hamburg zoigt, dass Sprachmodelle wäi ChatGPT deutlich Vorurteile gegn Dialektsprecher ham. (Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
A aktuelle Studii vo de Universitäten Mainz und Hamburg zoigt, dass Sprachmodelle wäi ChatGPT deutlich Vorurteile gegn Dialektsprecher ham. (Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
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A aktuelle Studii vo de Universitäten Mainz und Hamburg zoigt, dass Sprachmodelle wäi ChatGPT deutlich Vorurteile gegn Dialektsprecher ham. (Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Schlampig, ungebildet, unfreundlich: Künstliche Intelligenz diskriminiert Dialektsprecher

Sind Menschen, die Dialekt sprechen, dümmer? Das sagen nicht wir, das schlägt ChatGPT vor. Zwei Universitäten machten den Test.

Wie oft benutzt du ChatGPT oder andere KI-Funktionen? Wöchentlich, täglich? Und wenn du mit ihm oder ihr schreibst: Schreibst du Hochdeutsch oder oberpfälzisch, also im Dialekt? Schon mal vorweg: Sprichst du mit ihr im Dialekt, denkt die KI wahrscheinlich, dass du dumm, faul und unfreundlich bist.

A aktuelle Studii vo de Universitäten Mainz und Hamburg zoigt, dass Sprachmodelle wäi ChatGPT deutlich Vorurteile gegn Dialektsprecher ham. Also, was steckt dahinter? Noch einmal für alle, die kein Oberpfälzerisch sprechen: Eine Studie der Universitäten Mainz und Hamburg zeigt, dass KI-Sprachmodelle wie ChatGPT Vorurteile gegen Dialektsprecher haben. Darüber hat auch die Tagesschau berichtet. In Deutschland sprechen mehr als 40 Prozent der Bürger ihren regionalen Dialekt. Sind die laut ChatGPT also alle doof?

Launisch, schlampig, unkreativ

Die Studie lief folgendermaßen ab: Die Forscher machten einen speziellen Test. Sie fütterten ChatGPT mit Sätzen aus sieben deutschen Dialekten und im Anschluss mit demselben Satz auf Hochdeutsch. Die Künstliche Intelligenz sollte den Sätzen dann Adjektive zuordnen. Die KI verband Dialekte mit negativen Eigenschaften. Zum Beispiel: unorganisiert, schlampig, unfreundlich, ungebildet, launisch, unkreativ, unkultiviert. Positive Eigenschaften wurden dem Hochdeutschen zugeschrieben, also organisiert, verantwortungsbewusst, neugierig, kultiviert, gebildet, ruhig, entspannt.

Die KI ordnete Hochdeutsch-Sprechern Berufen mit hohem Bildungsgrad wie Arzt*in oder Psychiater*in zu. Dialektsprechern wurden häufiger handwerkliche Berufe zugeschrieben, im Test zum Beispiel Verputzer*in, Landwirt*in, Dachdecker*in, Tierzüchter*in.

Reproduzierte Denkmuster

Woran liegt das? „Die KI wird mit Texten aus dem Internet trainiert, und diese spiegeln gesellschaftliche Vorurteile wider“, erklärt Carolin Holtermann von der Universität Hamburg der Tagesschau. „So reproduzieren die Modelle diese Denkmuster und verstärken sie.” Die Studie spiegelt tief verwurzelte gesellschaftliche Klischees wider.

Diese falschen Überzeugungen führen dazu, dass Dialektsprecher in der Schule und im Berufsleben benachteiligt werden. Studien belegen, dass sie oft schlechtere Schulnoten erhalten, weniger verdienen und geringere Chancen bei Bewerbungen haben. Lass dich davon aber nicht verunsichern. Das soll dich aber nicht davon abhalten, deinen Dialekt zu sprechen. Im Gegenteil: Dein Dialekt ist kein Nachteil, sondern ein wichtiger Teil deiner Sprache – und sagt nichts darüber aus, was du kannst.

 
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