Welche Autoren bei BookTok besonders gut ankommen | Weiden24

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In der BookTok-Community tauschen sich vor allem junge Menschen über ihre Lieblingsbücher aus. (Archivbild: Arne Dedert/dpa)
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In der BookTok-Community tauschen sich vor allem junge Menschen über ihre Lieblingsbücher aus. (Archivbild: Arne Dedert/dpa)

Welche Autoren bei BookTok besonders gut ankommen

Bei BookTok tauschen sich Menschen über ihre Lieblingsbücher aus. Autorinnen wie Caroline Wahl und Colleen Hoover sind vorne mit dabei. Wieso kommen ausgerechnet ihre Bücher gut in der Community an?

Unter dem Hashtag „BookTok“ wird auf TikTok alles rund um Bücher geteilt. Darunter Empfehlungen oder Besprechungen, aber auch Anleitungen für das perfekt organisierte Bücherregal. Einige Autorinnen und Autoren sind in Deutschland dabei besonders beliebt - darunter Caroline Wahl, Colleen Hoover und Rebecca Yarros, wie TikTok mitteilt. Wieso funktionieren ausgerechnet ihre Bücher auf der Plattform - und wie verändert BookTok die Art, wie viele Literatur wahrnehmen? 

Seit 2023 veröffentlicht die Social-Media-Plattform mit dem Marktforschungsunternehmen Media Control eine monatliche Bestsellerliste in Deutschland. Auf Anfrage gibt TikTok einen Überblick, welche fünf Autoren hier seither nach Verkaufszahlen vorne liegen. Neben Wahl, Hoover und Yarros stehen auch Stefanie Stahl und James Clear, die beide Ratgeberliteratur schreiben, hoch im Kurs.

Oft gehe es um die Frage: „Werde ich dabei etwas fühlen?“

Aus Sicht von Anne Deckbar, Doktorandin an der Universität Siegen, eint die Autorinnen und den Autor Clear vor allem eins: Sie funktionieren aufgrund der Plattformlogik von TikTok und der Entstehung sogenannter affektiver Öffentlichkeiten besonders gut - obwohl sie von Ratgeber bis Romantasy auf unterschiedlichen literarischen Felder unterwegs seien.

„In diesen digitalen Räumen geht es weniger um eine ‚distanzierte, analytische Literaturkritik‘, sondern um die Teilbarkeit von Gefühlen und die unmittelbare Anschlussfähigkeit individueller Erfahrungen“, findet die Forscherin, die derzeit an ihrer Dissertation zu Fanpraktiken arbeitet. Vor allem Wahl, Hoover und Yarros bedienten dies. 

Oft gehe es bei BookTok nicht um die Frage „Ist das gut geschrieben?“, sondern um die Frage: „Werde ich dabei etwas fühlen?“. Die Bücher böten eine hohe emotionale Lesbarkeit und starke, benennbare Reaktionen wie Trauer oder Begeisterung. Erfolg beruhe häufig darauf, Literatur als soziales Ereignis zu inszenieren. „Während Wahl etwa eine ‚leise Resonanz‘ bedient, provoziert Hoover dramatische Reaktionen und Yarros ermöglicht ein kollektives Eintauchen des jeweiligen Fandoms“, erklärt Deckbar. 

Ein Überblick zu den Autoren: 

Caroline Wahl 

Caroline Wahl gilt als Ausnahmetalent. Ihr Debütroman „22 Bahnen“ wurde laut Media Control zum meistverkauften Taschenbuch des Jahres 2025. Das 2023 veröffentlichte Buch über zwei Schwestern, die unter der Alkoholkrankheit ihrer Mutter leiden, wurde bereits verfilmt. Seitdem hat die 30-Jährige weitere Bücher veröffentlicht: „Windstärke 17“ (2024) und „Die Assistentin“ (2025). Für August hat die in Kiel lebende Autorin den nächsten Roman angekündigt: „1999 Meter über dem Meer“.

Aus Sicht von Deckbar trifft Wahl einen „sehr zeitgemäßen Ton, der durch eine reduzierte, klare Sprache besticht“. Ihre Themen – Care-Arbeit, familiäre Überforderung und die Sehnsucht nach Ausbruch – besäßen eine extrem hohe „Relatability“, also Nachvollziehbarkeit. Auch die Kürze ihrer Sätze und die emotionale Verdichtung im Kleinen machten ihre Texte „hochgradig zitierfähig“. Sie lieferten ideale Vorlagen für ‚Text-Overlays‘ in melancholisch unterlegten Videos.

Colleen Hoover

Wer den Namen Colleen Hoover hört, dürfte ziemlich schnell an die skandalumwitterte Verfilmung ihres Buchs „Nur noch ein einziges Mal“ denken. Darauf folgte eine medienwirksame Schlammschlacht der beiden Hauptdarsteller Blake Lively und Justin Baldoni, die sich mit Vorwürfen überzogen. Dabei eignet sich das Leben der US-Amerikanerin selbst für einen Film. 

Die frühere Sozialarbeiterin lebte mit ihrem Mann und drei Kindern in einem Trailer, als sie ihren ersten Roman im Selbstverlag veröffentlichte. Nach nur wenigen Wochen stürmte der Roman die renommierte Bestsellerliste der „New York Times“. Mehr als 20 Bücher später zählt sie zu den erfolgreichsten Autorinnen unserer Zeit. 

Hoover erfinde das Genre Romance zwar nicht neu, erklärt Deckbar. Doch sie variiere 'altbekannte Muster' durch eine Art Tabubruch, indem sie etwa häusliche Gewalt thematisiere. „Nur noch ein einziges Mal“ dreht sich um eine missbräuchliche Partnerschaft und ihre Folgen.

Rebecca Yarros

Die US-amerikanische Autorin Rebecca Yarros wurde durch ihre „Flammengeküsst“-Reihe bekannt. Zu ihrem erfolgreichsten Buch bei BookTok in Deutschland zählt laut Bestsellerliste der 2023 erschienene Roman „Fourth Wing – Flammengeküsst“, der den Auftakt der Reihe bildet. Laut Forscherin Deckbar bedient Yarros „den massiven Boom der „Romantasy”“, eine Mischung aus Romance und Fantasy. 

Den Erfolg der Autorin auf BookTok führt sie auf verschiedene Gründe zurück. Unter anderem seien ihre Bücher nicht „abgeschlossen“, sondern erschienen seriell. Somit bleibe der Ausgang der Handlung ungewiss, was digitale Diskussionsgruppen befeuere. Die Community spinne Geschichten ständig weiter und interpretiere sie um. 

„Die komplexen Beziehungen und Charaktere laden zu Fan-Theorien und dem virtuellen Verkuppeln von Charakteren ein“, so Deckbar, die sich auch mit Comic Studies, Serialitätsforschung und Populärkultur beschäftigt.

Stefanie Stahl und James Clear

Der Titel von Psychologin Stefanie Stahl gilt als Klassiker im Sachbuchsegment: „Das Kind in dir muss Heimat finden“ (2015) stand 2017 bis 2024 durchgehend auf Platz eins der „Spiegel“-Jahresbestseller-Liste. Das Buch wurde millionenfach verkauft. Stahl setzt sich in dem Ratgeberbuch mit kindlichen Prägungen auseinander und gibt Tipps zur Aufarbeitung von Kindheitserfahrungen. Stahl legte weitere Bücher nach, etwa „Wer wir sind“ (2022).

Auch ein weiterer Autor aus der Ratgeberliteratur kommt bei BookTok gut an. Der US-Amerikaner James Clear erklärt in seinem Sachbuch „Die 1%-Methode - Minimale Veränderung, maximale Wirkung“, wie kleine Gewohnheiten Veränderungen im Alltag bewirken können. Dafür greift er laut Verlagsangaben auf Erkenntnisse aus der Biologie, Psychologie und aus den Neurowissenschaften zurück.

© dpa-infocom, dpa:260412-930-933534/1

 
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