Bayern protestiert wegen vieler Bahnstörungen | Weiden24

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Bayern klagt, beim Eisenbahnnetz herrsche „Alarmstufe Rot“. (Archivbild) (Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
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Bayern klagt, beim Eisenbahnnetz herrsche „Alarmstufe Rot“. (Archivbild) (Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Bayern protestiert wegen vieler Bahnstörungen

Baustellen, Streckensperrungen, Langsamfahrstellen: Störungen bei der Bahn verärgern die Fahrgäste - und die Politik. Bayerns Verkehrsminister hat nun einen Brandbrief geschrieben.

Bayern schlägt wegen immer mehr Streckensperrungen und Langsamfahrstellen bei der Deutschen Bahn Alarm. In einem Brandbrief an Infrastrukturvorstand Philipp Nagl nennt Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) die Lage besorgniserregend und eine Zumutung - und fordert Abhilfe.

Im letzten Halbjahr sei allein die Zahl der Langsamfahrstellen im Freistaat von 100 auf rund 120 angestiegen. Nimmt man mängelbedingte Streckensperrungen hinzu, könne mittlerweile auf 45 Linien des Schienenpersonennahverkehrs in Bayern nicht mehr der reguläre Fahrplan gefahren werden, klagt Bernreiter.

„Die Lage ist besorgniserregend und eine Zumutung für Fahrgäste und Eisenbahnverkehrsunternehmen im Bahnland Bayern“, schreibt der Verkehrsminister. Die Sanierung von Hochleistungskorridoren sei wichtig. Aber das bedeute nicht, dass der Verkehr in der Fläche so stark vernachlässigt werden dürfe. Die Bahn müsse schnellstmöglich einen nachvollziehbaren Masterplan mit konkreten Schritten vorlegen, wie die Langsamfahrstellen im Freistaat zügig und nachhaltig reduziert werden könnten, fordert Bernreiter.

Bernreiter: Gegenleistung stimmt nicht

Vor allem im Freistaat bekomme die DB InfraGO AG das Problem mit den Langsamfahrstellen nicht in den Griff. „Wir zahlen im bayerischen Nahverkehr jährlich über 900 Millionen Euro Trassenentgelte, sind damit der größte Finanzgeber für die Instandhaltung der DB, und die DB will rückwirkend und künftig sogar noch mehr Trassenpreise von uns. Und dafür bekommen wir aber mit die schlechteste Gegenleistung. Das passt hinten und vorne nicht.“

Bei den aktuell betroffenen 45 Linien gelten laut Verkehrsministerium entweder Notfahrpläne mit Schienenersatzverkehr, reduziertem Zugangebot, längeren Reisezeiten oder Haltausfällen. Oder aber die Züge seien durch nicht in den Fahrplan eingearbeitete Langsamfahrstellen permanent verspätet. Dies beeinträchtige die ohnehin eingeschränkte Betriebsqualität weiter. Vor allem für die Verkehre rund um München und Augsburg sei die Lage dramatisch.

Viele Baustellen

Besonders zugespitzt habe sich die Lage auf den Strecken von München Richtung Mühldorf, Mittenwald oder Ingolstadt, zwischen Donauwörth und Nördlingen sowie zwischen Nürnberg Nordost und Gräfenberg. Außerdem auf den Strecken Schwandorf - Furth im Wald, Ansbach - Crailsheim, Murnau - Oberammergau, Lindau - Friedrichshafen und auf der Linie der S2 um München. Auch die Verbindungen von München ins Allgäu seien mit Langsamfahrstellen gespickt - und zuletzt habe der Netzbetreiber DB InfraGO AG weitere Baumaßnahmen mit erheblichen Einschränkungen angekündigt.

Oftmals würden Langsamfahrstellen oder Streckensperrungen über viele Monate nicht beseitigt, weil es an nötigen Ressourcen und Maschinen fehle, kritisiert Bernreiter und mahnt: „Dieser Zustand ist so nicht mehr hinnehmbar.“

Bahn: Sanierungsrückstau erheblich

Die Bahn räumte ein, dass die aktuelle Situation für viele Fahrgäste und Eisenbahnverkehrsunternehmen auf anderen Strecken unbefriedigend sei. „Der Sanierungsrückstau, der sich über viele Jahre aufgebaut hat, ist erheblich und lässt sich nicht innerhalb kurzer Zeit vollständig beseitigen“, sagte eine Bahn-Sprecherin. „Dazu kamen in diesem Sommer zahlreiche hitzebedingte Schäden an der Infrastruktur, die zusätzliche Einschränkungen verursacht haben.“ 

Man investiere derzeit aber so viel wie noch nie in die Erneuerung und Modernisierung der Schieneninfrastruktur im Freistaat. „Allein 2026 fließen rund vier Milliarden Euro in das bayerische Netz.“ Dabei mache man spürbare Fortschritte. 

„Uns ist bewusst, dass viele Langsamfahrstellen und betriebliche Einschränkungen die Zuverlässigkeit im Bahnverkehr beeinträchtigen“, sagte die Sprecherin. „Daran arbeiten wir mit hoher Priorität und mit einem klaren Sanierungsplan für das Bestandsnetz in Bayern, aber auch in ganz Deutschland.“ Entscheidend sei, bei der Modernisierung der Infrastruktur in hohem Tempo weiterzumachen. 

Anfang September wollten Bahn-Vertreter im Rahmen eines runden Tisches mit dem bayerischen Verkehrsministerium zusammenkommen, um die aktuelle Situation und die weiteren Schritte zur Verbesserung der Infrastrukturqualität in Bayern ausführlich zu erörtern.

© dpa-infocom, dpa:260826-930-584854/2

 
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