Queerfeindliche Sprüche am ZOB: Zwei Jugendliche aus Weiden erzählen | Weiden24

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
vor 4 Stunden
Queerfeindliche Sprüche und Grenzüberschreitungen gehören für manche Jugendliche noch immer zum Alltag, auch in Weiden. (Symbolbild: Christoph Soeder/dpa)
Queerfeindliche Sprüche und Grenzüberschreitungen gehören für manche Jugendliche noch immer zum Alltag, auch in Weiden. (Symbolbild: Christoph Soeder/dpa)
Queerfeindliche Sprüche und Grenzüberschreitungen gehören für manche Jugendliche noch immer zum Alltag, auch in Weiden. (Symbolbild: Christoph Soeder/dpa)
cancel
info
Queerfeindliche Sprüche und Grenzüberschreitungen gehören für manche Jugendliche noch immer zum Alltag, auch in Weiden. (Symbolbild: Christoph Soeder/dpa)

Queerfeindliche Sprüche am ZOB: Zwei Jugendliche aus Weiden erzählen

Pride Month steht für Sichtbarkeit und Akzeptanz. Doch für viele queere Jugendliche gehören abfällige Sprüche und unangenehme Situationen zum Alltag. Zwei 15-Jährige aus Weiden erzählen, warum Zivilcourage einen Unterschied machen kann.

Max (15, Name von der Redaktion geändert) ist schwul. In seinem Freundeskreis und in der Schule geht er offen mit seiner Sexualität um. „Ich bin so, wie ich bin“, sagt er. Ein offizielles Outing habe es nie gegeben. „Ich sage das nicht extra. Entweder die Leute merken es oder eben nicht.“ Zuhause hat er sich allerdings noch nicht geoutet.

Der Jugendliche aus Weiden ist es gewohnt, aufzufallen und manchmal Kommentare zu bekommen. Vieles nehme er inzwischen kaum noch wahr. „Ich nehme mir solche Sprüche nicht mehr so zu Herzen“, sagt er. Doch eine Situation vor wenigen Wochen sei ihm trotzdem im Gedächtnis geblieben.

Wenn aus Sprüchen mehr wird

Gemeinsam mit Sarah (15, Name ebenfalls von der Redaktion geändert) wartete er am Zentralen Omnibusbahnhof auf den Bus. Dort sprach eine Gruppe Jungen die beiden an, die sie auf etwa 13 bis 16 Jahre schätzten.

Zunächst seien es provozierende Fragen gewesen. Die Jugendlichen hätten wissen wollen, ob er „schon schwul auf die Welt gekommen“ sei. Max habe versucht, die Bemerkungen zu ignorieren. Doch die Gruppe habe nicht locker gelassen. Immer wieder seien Kommentare gefallen, und die Jugendlichen seien ihm hinterhergelaufen und hätten seine Nähe gesucht.

Für Max wurde die Situation vor allem deshalb unangenehm, weil sie über längere Zeit andauerte. „Wir sind an andere Stellen gegangen, aber sie kamen immer wieder hinterher“, erzählt er. Er berichtet außerdem, dass jemand an seiner Jacke gezogen habe und er mehrfach ungefragt angefasst worden sei. „Irgendwann dachte ich mir nur noch: Könnt ihr bitte gehen?“

Einfach reagieren

Auch Sarah erinnert sich vor allem an das bedrängende Gefühl. „Wir konnten nicht einfach weg, weil wir auf den Bus warten mussten“, sagt sie. Die beiden hätten sich gewünscht, dass jemand aus ihrem Umfeld reagiert hätte. Andere Menschen seien in der Nähe gewesen. „Man muss sich nicht selbst in Gefahr bringen“, sagt Sarah. „Aber man könnte nachfragen, Hilfe holen oder zeigen, dass man merkt, dass gerade etwas nicht in Ordnung ist.“

Die Jugendlichen verständigten die Polizei nicht. Zwar sei zwischenzeitlich davon die Rede gewesen, die Polizei zu rufen, letztlich hätten Sarah und Max aber vor allem gewollt, dass die Situation endet und sie nach Hause kommen konnten.

7 Tipps für mehr Zivilcourage

Gerade im Pride Month Juni wird vielerorts über Sichtbarkeit und Akzeptanz gesprochen. Die Erfahrungen von Sarah und Max zeigen, dass queerfeindliche Sprüche und unangenehme Situationen für manche junge Menschen noch immer zum Alltag gehören. Umso wichtiger ist die Frage, wie Menschen in solchen Momenten reagieren – nicht als Held*innen, sondern als aufmerksame Mitmenschen, die nicht einfach wegschauen.

1. Nicht wegsehen

Wer bemerkt, dass Menschen beleidigt, bedrängt oder angegriffen werden, sollte die Situation ernst nehmen und aufmerksam bleiben.

2. Andere gezielt ansprechen

Statt allgemein „Helft mal!“ zu rufen, besser konkret Personen ansprechen: „Sie mit der roten Jacke – können Sie helfen?“

3. Polizei rufen (110)

Gerade bei Bedrohungen oder körperlichen Übergriffen sollte frühzeitig die Polizei informiert werden.

4. Opfer ansprechen

Oft hilft schon ein einfacher Satz wie: „Komm mal kurz zu mir“ oder „Alles okay bei dir?“

5. Täter nicht provozieren

Expert*innen raten, ruhig und sachlich zu bleiben, Abstand zu halten und keine Eskalation auszulösen.

6. Präsenz zeigen

Allein sichtbare Aufmerksamkeit kann Situationen entschärfen. Viele Täter*innen ziehen sich zurück, wenn sie merken, dass Menschen hinschauen.

7. Als Zeug*innen zur Verfügung stehen

Nach einem Vorfall können Aussagen, Fotos oder Täterbeschreibungen wichtig sein.

 
north