Ein Jahr Australien macht aus Vincenzo De Leo einen neuen Menschen. Sein Glow-Up geht viral, sogar die New York Times fragt an. Was treibt den 22-Jährigen jetzt an?
Vincenzo De Leo (22) wirkt auf den ersten Blick wie jeder andere junge Erwachsene: locker, gut gelaunt und voller Energie. Doch wer ihm zuhört, merkt schnell, dass in ihm die Wanderlust schlummert. Der Weidener hat ein Jahr in Australien verbracht, auf Baustellen gearbeitet und bei großen Veranstaltungen mitgewirkt. Und plötzlich wird er zum Thema in der renommierten Zeitung „New York Times“.
„Vor Australien war ich eher introvertiert“, erzählt Vincenzo. „Ich habe mit zwölf angefangen, Basketball zu spielen, war fast jeden Nachmittag in der Halle. Mit 14 oder 15 habe ich schon bei den Herren mitgespielt. Aber Schule? Mathe war mein Albtraum, Englisch mein Lieblingsfach. Trotzdem hab ich es irgendwie geschafft, mein Fachabi zu machen.“
Nach dem Fachabitur ging es im Dezember 2023 hinaus in die Welt – nach Australien. Eigentlich wollte Vincenzo mit einem Freund reisen, der jedoch kurzfristig absagte. „Dann wurde es ein Solo-Trip. Allein zu reisen war ein wichtiger Schritt für meine Weiterentwicklung.“ Vincenzo sparte durch Nebenjobs im Fitnessstudio und nutzte etwas Bausparguthaben. „Statt ein Auto zu kaufen, dachte ich mir, fliege ich lieber um die Welt.“
Sein erstes halbes Jahr in Australien war alles andere als ein Urlaub. Er versuchte, sich mit Jobs über Wasser zu halten – doch das war nicht einfach. „Ich bin im Hochsommer hin, wo der Arbeitsmarkt ziemlich umkämpft war“, erzählt der 22-Jährige. Nach einer Kündigung und einem gescheiterten Jobangebot kam die Ernüchterung: kein Geld mehr. „Dann musste ich zurückfliegen und dachte, die Australienreise sei vorbei. Ich war sehr traurig und sehr enttäuscht.“
Doch Australien ließ ihm keine Ruhe: „Ich hab dann ganz zufällig während einer Mittagspause aufs Handy geschaut und einen Job in Australien gefunden.“ Mit dem Angebot: Wenn er nächste Woche komme, habe er den Job. „Da hab ich nicht lange überlegt und bin geflogen.“ Die Jobs waren hart, abwechslungsreich und oft ungewöhnlich: Arbeiten auf Baustellen, riesige Zelte für die Formel 1 oder Australian Open aufbauen oder Farmarbeit. „Man macht alles ohne Vorerfahrung – einfach learning by doing. Einmal habe ich einen Metallboden gegen den Kopf bekommen, aber gut bezahlt war es definitiv.“
Der körperliche und persönliche Wandel kam fast automatisch. „Ich habe 13 Kilo abgenommen, mir einen Mullet und Schnauzer wachsen lassen und ein bisschen den australischen Lifestyle übernommen. Es hat mein Selbstvertrauen total gestärkt. Ich fühle mich einfach wohler in meiner Haut.“
Sein Glow-Up blieb nicht unbemerkt: Ein Instagram-Video ging viral und erreichte über 11 Millionen Views. „Dann schreibt plötzlich die New York Times, sie wollen einen Zoom-Anruf. Ich dachte nur: Warte, was? Echt jetzt?“ Im Artikel der „New York Times“ geht es um den „Australian Effect“, einen Internettrend, bei dem Reisende und Kurzzeitarbeiter ihren Glow-Up nach ihrer Zeit in Australien auf Social Media zeigen – so wie Vincenzo. Zwei Wochen später meldete sich auch die London Times. In Australien landeten seine Clips im Frühstücksfernsehen und in Online-Magazinen.
Zurück in Deutschland ist Vincenzo längst nicht mehr der schüchterne Junge aus Weiden. Er arbeitet im Café seiner Familie, ist Social-Media-Creator mit 16.000 Followern auf Instagram und Tiktok und plant ein Studium in Internationaler Kommunikation in den Niederlanden. „Ich mag es, Videos zu schneiden und Emotionen zu vermitteln. Man kann traurig sein, aber trotzdem Positivität ausstrahlen. Das kommt bei den Leuten gut an und motiviert mich.“
Aber es geht nicht nur um soziale Medien. „Die Leute, die ich in Australien getroffen habe, sind das Beste, was passiert ist. Ich habe immer noch Freunde in Deutschland, England und Frankreich. Wir schreiben uns und besuchen uns. Das sind diese Momente, die man nie vergisst.“
Vincenzo lacht, als er erzählt, wie ihn einmal ein Opossum attackierte oder wie er fünf Stunden durch eine fremde Stadt lief, um sein Hostel zu finden. „Australien hat mich komplett verändert. Man denkt, man sei schon erwachsen und selbstständig. Aber solche Situationen pushen dich noch einmal auf ein neues Level.“
Sein Tipp an alle jungen Leute? „Wenn ihr die Chance habt, fliegt einfach. Es geht nicht nur um das Land, sondern darum, wie ihr euch selbst entdeckt.“