Manuel Karadeniz steht auf großen Bühnen, spielt große Rollen und singt große Songs | Weiden24

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02.06.2026
Manuel Karadeniz steht diesen Sommer als Frank N. Furter auf der Freilichtbühne Luisenburg. (Bild: Florian Miedl)
Manuel Karadeniz steht diesen Sommer als Frank N. Furter auf der Freilichtbühne Luisenburg. (Bild: Florian Miedl)
Manuel Karadeniz steht diesen Sommer als Frank N. Furter auf der Freilichtbühne Luisenburg. (Bild: Florian Miedl)
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Manuel Karadeniz steht diesen Sommer als Frank N. Furter auf der Freilichtbühne Luisenburg. (Bild: Florian Miedl)

Manuel Karadeniz steht auf großen Bühnen, spielt große Rollen und singt große Songs

Wenn Manuel Karadeniz diesen Sommer über die Bühne der Luisenburg-Festspiele läuft, dann trägt er High Heels, Corsage und jede Menge Selbstbewusstsein. Der 37-jährige Schwandorfer spielt eine der ikonischsten Rollen der Musicalgeschichte.

Dass er einmal die schillernde Figur Frank N. Furter in „The Rocky Horror Show“ verkörpern würde, hätte vermutlich nicht einmal er selbst gedacht. Denn obwohl Manuel Karadeniz inzwischen auf große Bühnen, Musical-Hauptrollen und einen wichtigen Theaterpreis zurückblicken kann, beginnt sein Weg zum Schauspiel erst spät. Dabei hat der heute 37-Jährige seine erste Rolle als Weihnachtsmann bereits im Kindergarten in Schwandorf. Schon damals habe ihn die Liebe zum Detail gepackt, erzählt er lachend. Als kleiner Weihnachtsmann soll er einen Sack voller Geschenke „versehentlich“ ausschütten. Doch das ist ihm zu wenig glaubwürdig. „Ich fand damals schon, dass das nicht aussieht wie aus Versehen“, erinnert er sich. Vielleicht ist genau das der erste Hinweis darauf, dass in ihm mehr steckt als bloße Spielfreude. Später spielt er in der Grundschule weitere Rollen, ehe sein Weg zu den Regensburger Domspatzen führt – eine Zeit, die ihn bis heute prägt.

Die Domspatzen als Sprungbrett

Mit neun Jahren kommt Manuel zunächst nach Pielenhofen in die Vorschule der Domspatzen und später ins Internat nach Regensburg. Was viele als strenges System wahrnehmen, beschreibt er rückblickend vor allem als intensive Gemeinschaft. „Besonders für die Jüngeren ist dort der Tagesablauf sehr strickt festgelegt. Aber diese Struktur hat mir sehr gutgetan“, erzählt Manuel. „Und ich hatte das Gefühl, mit meinen besten Freunden Tür an Tür zu wohnen.“ Gleichzeitig lernt er früh Disziplin und ein Arbeitsethos, das ihn bis heute begleitet: pünktlich sein, vorbereitet sein, Leistung bringen. Vor allem aber lernt er, darauf zu vertrauen, dass Dinge funktionieren können, selbst wenn sie in den Proben noch nicht perfekt laufen. Dieses positive Denken hat er bis heute mitgenommen.

Schon damals steht er mit den Domspatzen auf großen Bühnen, tourte durch Europa und singt im ersten Konzertchor. In dieser Zeit verliert er das Schauspiel zunächst aus den Augen. Die Musik dominiert sein Leben, Theater spielt kaum noch eine Rolle. Deshalb strebt Manuel zunächst ein Gesangsstudium an. „Das hat aber nicht funktioniert – ich wurde nicht angenommen.“

Stattdessen entscheidet er sich Sprachwissenschaften und Sprecherziehung an der Universität Regensburg zu studieren. Parallel arbeitete er als Moderator und Redakteur bei Radio Ramasuri – und finanziert sich damit später auch das Schauspielstudium.

Dass er mittlerweile Schauspieler ist, liegt auch daran, dass andere mehr an ihn glauben als er selbst. Lange hat er sich schlicht nicht getraut. Erst als er zufällig eine Ausschreibung für ein Vorsprechen für die Schauspielgruppe der Uni entdeckt und spontan hingeht, ändert sich etwas. Er bekommt direkt die Hauptrolle in der Laienspielgruppe.

Kurz darauf folgt die Bewerbung an der Akademie für Darstellende Kunst Bayern in Regensburg. Fünf Tage hat er Zeit, Monologe und Songs vorzubereiten. Aus der lockeren Vorauswahl wird plötzlich Ernst, Runde für Runde geht es weiter. „Am dritten und letzten Tag war ich plötzlich unfassbar nervös, weil ich gemerkt habe: Jetzt geht’s wirklich um was. Vorher habe ich alles locker genommen.“ Am Ende wird er aufgenommen – obwohl die Dozenten sich zunächst nicht sicher sind, ob er das selbst überhaupt möchte. Und so beginnt sein Schauspielstudium, in dem er nicht nur lernt mit seiner Stimme umzugehen und solo zu singen, er steigt auch in die Schauspielgeschichte und -theorie ein, beginnt früh Stücke zu proben, zu lesen und lernt außerdem wichtige Instrumente des Spielens wie Fechten und Bühnenkampf.

Der Moment, in dem alles klar war

Während seiner Ausbildung steht Manuel bereits auf renommierten Bühnen, spielt unter anderem am Landestheater Niederbayern in „Clockwork Orange“, am Theater Regensburg und bei den Luisenburg-Festspielen. Besonders sein erstes professionelles Engagement ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben. Hinter dem Vorhang zu stehen, kurz bevor es losgeht, dieses Adrenalin – da hat er gewusst: „Das ist genau mein Platz.“

Von da an geht es schnell weiter. Nach dem Studium wird er festes Ensemblemitglied am Theater Osnabrück, spielt in Produktionen wie „Ellbogen“ oder „Istanbul“ und lernt dort vor allem, wie man sich auf der Bühne freispielt. Wenn man über eine länger Zeit immer das gleiche spiele und das mehrmals am Tag, verschwinde irgendwann die Angst, erzählt er. Dann kommt dieser Moment, in dem man einfach spiele und sich nicht mehr ständig selbst beobachte.

Parallel entdeckt er immer stärker das Musical für sich. Seine Fähigkeiten als Sänger – Manuel ist Bariton mit außergewöhnlich hoher Lage – kombiniert mit Schauspiel und Bühnenpräsenz, machen ihn schnell interessant für größere Produktionen.

Hauptrollen, Tourneen und ein großer Preis

Bei der Tour von „Fack Ju Göhte – Das Musical“ übernimmt er alternierend die Hauptrolle Zeki Müller: „Ich konnte singen und rappen und habe Migrationshintergrund – also war ich perfekt dafür“, erklärt der Schauspieler. „Ab diesem Zeitpunkt begann eine echt anstrengende Zeit. Ich war ja immer noch im festen Ensemble in Osnabrück.“ Aber die harte Arbeit lohnt sich: Später folgen große Rollen bei den Luisenburg-Festspielen, darunter die Hauptrolle D’Artagnan in „Die drei Musketiere“. Für seine Darstellung des Abel in „Seele für Seele: Freischütz – Das Musical“ erhält er 2025 schließlich den BroadwayWorld Germany Award als „Best Supporting Performer In A Musical“. Schon die Nominierung habe ihn überrascht, erzählt er. Dass er den Preis am Ende tatsächlich gewinnt, hat ihn umso mehr gefreut – vor allem, weil bei diesem Preis die Abstimmung über das Publikum läuft.

Trotzdem wirken Erfolg und Aufmerksamkeit bei ihm nie selbstverständlich. Im Gegenteil: Manuel spricht erstaunlich offen über Zweifel. Vor jeder neuen Rolle fragt er sich aufs Neue, ob er gut genug ist, ob seine Interpretation funktionieren wird und ob er der Figur wirklich gerecht werden kann. Gerade deshalb ist Vertrauen im Ensemble für ihn enorm wichtig. „Man braucht gute Kollegen und Regisseure, um gemeinsam herauszufinden, was funktioniert und was nicht.“

Die verrückteste Rolle seiner Karriere

Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum er auf der Bühne so wandelbar wirkt. Mal charmant, mal laut, mal verletzlich – und jetzt eben Frank N. Furter. Die Rolle in „The Rocky Horror Show“ gehört zu den extremsten seiner bisherigen Karriere. Frank N. Furter ist größenwahnsinnig, provokant, androgyne Kultfigur und gleichzeitig Herzstück eines Musicals, das seit Jahrzehnten Menschen begeistert. Als die Anfrage kam, hat der Schwandorfer deshalb erstmal gezögert. „Ich habe mich gefragt, ob ich mich das wirklich traue.“

Inzwischen ist er froh, zugesagt zu haben. Manuel bereitet sich intensiv vor, schaut den Film von 1973 immer wieder an, informiert sich über Dokumentationen und Foren, und versucht, die Figur wirklich zu verstehen. Dabei gehe es ihm aber nicht darum, jemanden zu kopieren. Sein Frank N. Furter soll überraschen. Mal charmant sein, mal gefährlich, mal völlig unberechenbar.

Zur Vorbereitung gehört neben den Proben, die täglich von 10 bis 14 Uhr und 18 bis 22 Uhr stattfinden, inzwischen auch das Laufen auf High Heels und der Umgang mit der Peitsche. Manuel glaubt, dass jeder Mensch unterschiedliche Seiten in sich trägt – gute wie schlechte. Auf der Bühne könne man Dinge ausleben, die im Alltag keinen Platz hätten. Dabei müsse man aufpassen, dass man nichts „Schlechtes“ von der Bühnenrolle ins Privatleben überträgt. Manchmal vergleiche man sich aber auch mit der Rolle, was laut Manuel ein sehr persönlicher Vorgang sei. „Schauspiel ist aber generell immer etwas sehr Persönliches.“

Der Kult um „The Rocky Horror Show“

Dass „The Rocky Horror Show“ bis heute Kultstatus besitzt, überrascht ihn nicht. Für ihn liegt die Faszination darin, dass die Menschen im Publikum dort für ein paar Stunden auch mal jemand anderes sein dürfen. Das Publikum wird Teil der Show, ruft Sprüche hinein, reagiert auf Szenen und feiert gemeinsam diese völlig verrückte Geschichte zwischen Wahnsinn, Sex und Rock ’n’ Roll. Auch auf der Luisenburg soll genau diese besondere Atmosphäre entstehen – wenn auch ohne den klassisch fliegenden Reis oder Klopapier, aus Rücksicht auf Natur und Tiere der Freilichtbühne. „Aber wir haben Fanpakete mit Luftschlangen, Wasserpistolen, Kondomen und noch andere Utensilien“, verrät Manuel.

Überhaupt schwärmt der Schwandorfer immer wieder von der Luisenburg. „Wenn man da steht und einen Monolog vor 2000 Menschen hält und lenken kann, was die Besucher fühlen, und die Energie spüren kann. Das ist besonders.“ Für ihn ist die Natur dort kein Hintergrund, sondern Teil der Inszenierung. Wenn plötzlich Wind aufzieht, es donnert oder Regen mitten in einer Szene einsetzt, entstehen Momente, die man in einem geschlossenen Theater nicht planen kann. Genau diese Mischung aus Naturgewalten und Publikum macht die Freilichtbühne für ihn so besonders.

Nervosität als ständiger Begleiter

Und obwohl er inzwischen auf große Erfolge zurückblicken kann, bleibt eines bis heute gleich: die Nervosität vor dem Auftritt. Kurz bevor es losgeht, denkt er oft noch immer, „heute ist der Tag, an dem alles schiefgeht“. Dann geht er Szenen im Kopf durch, redet sich selbst Mut zu und versucht, die Nervosität in Vorfreude umzuwandeln.

Sobald die ersten Sätze gesprochen oder die ersten Songs geschafft sind, kippt das Gefühl: „Dann fliegt man“, sagt er. Vielleicht beschreibt genau das auch seinen bisherigen Weg am besten.

 
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