Perfekt unperfekt | Weiden24

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vor 3 Stunden
LEO-Redakteurin Lea-Mareen Kuhnle beschäftigt sich in diesem Monat mit dem Thema Perfektionismus. (Bild: Sara Neidhardt / Grafik: Redaktion Magazine)
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LEO-Redakteurin Lea-Mareen Kuhnle beschäftigt sich in diesem Monat mit dem Thema Perfektionismus. (Bild: Sara Neidhardt / Grafik: Redaktion Magazine)

Perfekt unperfekt

Kurz vorm Einschlafen scrolle ich durch meinen Instagram-Feed und sehe Sardinien – immerzu diese bezaubernde italienische Insel. Menschenleere Strände, strahlend türkisfarbenes Wasser, einen Camper mit perfektem Stellplatz direkt am Meer.

Im nächsten Slide einen wunderschönen Sonnenuntergang am immer noch seelenruhigen Strand und eine unnötig perfekt aussehende Pizza dazu. Nach und nach schicke ich diese Reels mit den Worten „Ich freue mich schon so!“ weiter.

Denn noch bevor ich überhaupt richtig darüber nachdenken kann, ist da diese kleine Erwartung in meinem Kopf. Dieses „So wird es sicher auch werden. So muss es werden!“. Mein anstehender Urlaub auf Sardinien soll genau so aussehen. Das Gemeine ist: Man merkt kaum, wie eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut wird. Ich nehme nicht bewusst war, wie ich mir einen perfekten Urlaub ausmale, der so wahrscheinlich nicht stattfinden wird – zumindest nicht durchgehend.

Man bucht den Urlaub, informiert sich vorab und direkt sitzt dieses Bild im Hinterkopf: der perfekte Stellplatz mit Meerblick, der Strand wie aus dem Film, die Pizza, die angeblich das Leben bereichern wird. Und irgendwo dazwischen die Erwartung, dass alles bitte genau so laufen soll wie in diesen 15-Sekunden-Clips. Die Realität ist dann meistens weniger glatt. Der Stellplatz ist vielleicht nicht in der ersten Reihe zum Meer. Zusätzlich sind da andere Menschen, Geräusche, vielleicht ein bisschen Chaos. Der Himmel ist nicht jeden Tag golden, sondern auch mal grau und verregnet. Die Pizza ist gut, aber eben einfach eine Pizza. Und der Strand ist schön, aber nicht leer, nicht still, nicht perfekt ausgeleuchtet. Und genau an diesem Punkt entsteht oft diese kleine Enttäuschung, die eigentlich gar keine echte Enttäuschung sein müsste. Nur ein Abgleich zwischen Realität und Reel.

Dabei ist das eigentlich absurd, wenn man kurz darüber nachdenkt. Denn diese Reels sind keine Versprechen. Sie sind Ausschnitte. Die besten Sekunden aus ganzen Tagen, manchmal aus vielen Tagen. Kein Content Creator zeigt den Stau bei der Hinfahrt, den verregneten Nachmittag, den überfüllten Strand und den schlechten Kaffee im Bistro nebenan. Nicht, weil das nicht zum Urlaub auf Sardinien gehört, sondern weil es nicht „perfekt“ ist und keine Klicks generiert. Und trotzdem vergleichen wir genau das: unsere ungeschnittene Realität mit der besten Version von jemand anderem.

Vielleicht ist aber die eigentliche Korrektur hier nicht, weniger zu erwarten – sondern anders hinzuschauen. Sich daran zu erinnern, dass ein guter Urlaub nicht daran gemessen wird, wie oft er wie ein Insta-Post aussieht, sondern wie er sich zwischendurch anfühlt. Zwischen Sonnenmomenten, Regentagen, Chaos und Ruhe.

Wenn man das einmal zulässt, verliert der Vergleich ein bisschen seine Macht. Dann ist der Campingplatz nicht schlechter, nur weil er nicht in einer Bucht unmittelbar am Meer liegt. Der Strand nicht weniger wertvoll, nur weil er nicht strahlend weiß wie auf den Seychellen ist. Und der Urlaub nicht weniger gut, nur weil er nicht durchgehend aussieht wie ein Reel. Und vielleicht ist das am Ende sogar beruhigender als jede perfekte Aufnahme: dass es gar nicht darum geht, den „schönsten Strand“ oder die „beste Pizza des Lebens“ zu finden. Sondern darum, überhaupt da zu sein. Rauszukommen. Dinge zu erleben, die anderen vielleicht verwehrt bleiben. Erinnerungen zu schaffen, die den Moment und rückblickend das Leben ausmachen.

 
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